Die Bedeutung des "Osterhusischen Accord"

Der Begriff "Osterhusische Accord" leitet sich aus dem Französischen "accorder" ab und bedeutet "ein Abkommen treffen" sowie dem Ort des Geschehens, nämlich Osterhusen. Osterhusen ist ein Ortsteil der politischen Gemeinde Hinte und liegt etwas 7 km von der Seehafenstadt Emden entfernt.

Hierbei handelt es sich um einen Vertrag, der am 21 Mail 1611in einem Bauernhaus in Osterhusen unterzeichnet wurde. Er beendete die heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Ständen (Ritterschaft, Bürger und Bauern) und dem Grafen von Ostfriesland, Enno III.

Wie kam es Dazu ?

Der Häüptling Ulrich I. Cirksena bekam 1453 Emden zu seinem Herrschaftsgebiet dazu. Somit waren die wichtigsten Landesteile Ostfrieslands unter einer gemeinsamen Regierung mit Emden als Landeshauptstadt vereint. 1464 wurde Ostfriesland Reichsgrafschaft und Ulrich I. dadurch "Graf von Ostfriesland".

In den Nachfolgejahren entstanden viele neue Bauten und der Handel, die Schifffahrt, das Handwerk und das Kunsthandwerk spielten ein wirtschaftlich große Rolle.
Um 1600 kann man von Emden als dem bedeutendsten Seehafen Nordeuropas sprechen. Der Grund dafür war, dass viele Glaubensflüchtlinge aus den Niederlanden vor den katholischen spanischen Unterdrückern flohen und sich in Emden ansiedelten. Diese Religionsflüchtlinge waren oft hochqualifizierte Kaufleute, Handwerker und Künstler.

Das Blatt wendete sich jedoch, als die Spanier besiegt und die Flüchtlinge in ihre befreite Heimat zurückkehrten.
Trotz des wirtschaftlichen Rückgangs stellte der lutherische Graf Edzard II überspitzte Forderungen an die reformierte und parlamentarisch eingestellte Bürgerschaft und stieß auf heftigen Widerstand, der am 18. März 1595 mit der "Emder Revolution" begann. Die Burg, die auf dem heutigen Burgplatz stand, wurde eingenommen und die Befestigung zur Stadtseite hin niedergerissen. Graf Edzard II verlegte seine Residenz daraufhin nach Aurich. Er starb 1599.

Sein Nachfolger war Enno III. Der Verfassungskampf ging weiter. 1609 führten die Emder sogar einen militärischen Schlag gegen Enno III, besetzten die Cirksenaburg in Greetsiel und die neue Residenz in Aurich und entführten das gräfliche Archiv nach Emden.
Die Emder hatten engen Kontakt zu den Generalstaaten (so wurden die von den Spaniern befreiten holländischen Gebiete zwischenzeitlich bezeichnet). Die Generalstaaten kamen den zerstrittenen Parteien als Vermittler zur Hilfe und konnten sich gleichzeitig ein sicheres Hinterland in ihren Auseinandersetzungen mit Spanien bewahren.

So wurde am 21. Mai 1611 in einem Bauernhaus in Osterhusen der "Osterhusische Accord" unterzeichnet. Dieser Vertrag beendete die sehr heftigen und auch blutig geführten Auseinandersetzungen zwischen den Ständen und dem Grafen.
Er sicherte den Bewohnern Ostfrieslands einen für diese Zeit vergleichsweise hohen Grad an Freiheiten. Ein ähnliches Vertragswerk gab es bis dahin weltweit noch nicht.

In diesem Vertrag wurde festgelegt:
- Steuerhoheit der Stände
- Eigenständigkeit Emdens innerhalb der Grafschaft
- gräfliches Hofgericht gerät unter den Einfluss der Stände
- Leistungen der Bauern an den Landesherrn werden gemindert
- Gemeinden erhalten freie Wahl ihrer Deich- und Sielrichter

Geschrieben wurde der Accord auf 34 Pergamentblättern, die von einer schwarzgoldenen Kordel zusammengehalten wurden. Unterzeichnet wurde der Vertrag, der in holländischer Sprache niedergeschrieben wurde, vom Grafen Enno III, vier Vertretern des Adels, je einem Vertreter der Städte Emden, Aurich und Norden, einem Vertreter des dritten Standes, der Bauernschaft, sowie sieben holländischen Vertretern.

In Hinte erinnert noch die Accordhausstraße an dieses geschichtsträchtige Ereignis.
EIn weiteres Erinnerungsstück gehört zum Emder Silberschatz, nämlich eine prächtige Kanne aus dem Jahre 1613. Das reich geschmückte Gefäß mit feinsten Zieselierungen trägt in einem Blätterkranz die Inschrift PACIS PATRIAE OSTERHUSAE RESTITUTAE MEMORIA (Zur Erinnerung an den in Osterhusen hergestellten Frieden des Vaterlandes).
Das Gefäß ist 28 cm hoch und 1100 g schwer. Auf dem Deckel befindet sich eine Häuptlingsfigur in mittelalterlicher Kleidung.  Bild 1 bis 3

Das alte Accordhaus stürzte 1712 ein und wurde ein Jahr später wieder aufgebaut. Es fiel 1881 einem Brand  zum Opfer. Erhalten blieb eine Inschriftentafel in niederländischer Sprache.  "Het oude Huis waerin het Oisterhuisische Accordt anno 1611 opgericht is vervallen synd is op dese wyse vernieut anno 1712" (Das alte Haus, worin der Osterhusische Accord im Jahre 1611 geschlossen worden ist, ist, nachdem es verfallen war, auf diese Weise erneuert worden im Jahre 1712.  Bild 4


Quellen:
Osterhuser Accord (Übersetzung) J. Ohling, Emden 1898
Emder- und Ostfriesenzeitung
W. Schöningh, Geschichte der Stadt Emden 1970

Zusammenstellung: Magdalene Jaenicke, Hinte

 

 

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Bild3

 

Bild 4

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

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